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Septemberlese

4 Lesungen an 4 Schauplätzen

Die Vermessung Österreichs“ zog sich wie ein roter Faden durch das Programm der 11. Septemberlese, die am 23. und 24. September 2017 in Langenlois stattfand.
„Typisch Österreichisches“ traf auf „das typische Österreich“, ein bunter literarisch-musikalischer Bogen mit Gertraud Klemm, Robert Seethaler, Natalie Ofenböck & Der Nino aus Wien (Samstagabend) sowie Heinrich Steinfest und Hans Peter Falkner (Sonntagsmatinée) spannte sich wieder über Langenlois.

Langenlois präsentierte zum elften Mal seine kulturellen Vorzüge mit der "Septemberlese".
Da färbte sich sogar das Laub des wilden Weines passend zur Einladung.
Unterm Nussbaum im Weingut Loimer wartet man entspannt auf die erste Autorin.
Kultur erneut "on the road again" - dieses Mal auf österreichischen Straßen unterwegs.
Gertraud Klemm (zweite von links) wird von Birgit Loimer, Wolfgang Kühn und Robert Stadler in Langenlois herzlich willkommen geheißen.
Ein Glas Wein zur Begrüßung ist in Langenlois Tradition!
Buchoutfit passt zum Weinoutfit und wie man sieht, eignen sich Bouteillen auch sehr gut als Buchstütze :-)
Kulturstadträtin Brigitte Reiter freut sich auf die erste Protagonistin, die im Weingut Loimer lesen wird.
Bitte die Plätze einnehmen, die Lesung beginnt in Kürze.
Wolfgang Kühn als Initiator dieses Literatur-Wochenendes begrüßt die interessierten Gäste...
... und den Hausherrn Fred Loimer, der zu Ehren des heutigen Literaturgastes ein Glas "Gumpoldskirchner" ausschenkte, da Gertraud Klemm aus dieser Weingegend stammt und Loimer dort auch Weingärten bewirtschaftet.
Übrigens... er kommt gerade aus seinem Keller, wo die Wein...
... -presse viel zu tun hat, weil die Winzer mitten in der Weinernte stehen.
Die erste Autorin wird vorgestellt: In Wien geboren und in Baden / Wien aufgewachsen, lebt Gertraud Klemm in Pfaffstätten bei Baden, also auch in einer wunderschönen Weinregion. Sie hat bislang vier Romane mit den Titeln „Herzmilch“, „Aberland“, „Muttergehäuse“ und zuletzt „Erbsenzählen“ veröffentlicht. Außerdem hat sie den Publikumspreis beim Ingeborg Bachmann Wettbewerb 2014 erhalten und war mit „Aberland“ auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis 2015.
Zu Beginn bringt sie ein literarisches Stimmungsbild eines Weinfestes aus der Thermenregion in die Domäne der Kamptaler Kellergasse mit - Parallelen zu Langenlois waren durchaus erkennbar. Es ging um das Tragen der Tracht, vor der ihr offensichtlich graut. Sie mag ihren Leib nicht in ein Stück Stoff hineinstopfen, das Quirxt mit der Dirndlbluse haben und dann den Busen umwuchten müssen :-). Sie bezeichnet ironisch Tracht als optische Beilage zum Weinmarketing. Diese durchaus humorvolle Geschichte über das Weinfest in Pfaffstätten ist übrigens im Buch "Mein Industrieviertel" enthalten, das Wolfgang Kühn herausgegeben hat.
Bei dieser Geschichte hatte sie die Lacher auf ihrer Seite bis um 18.12 Uhr die Sirene heulte.
Loimers Kater Leo hatte diesen Alarm im Garten sicher nicht ausgelöst, aber zog durchaus während der Lesung auch die Blicke auf sich :-)!
In den nächsten vierzig Minuten liest Gertraud Klemm Auszüge aus ihrem brandneuen Roman „Erbsenzählen“ – einem Versuch des Entrinnens aus den Mühlen der Bürgerlichkeit. Darin geht es um eine Beziehung zwischen einem älteren Mann und einer jüngeren Frau.
Alle Jahre wieder: Bemerkenswert sind nicht nur die Schriftsteller, sondern auch die Gäste, die sogar alljährlich aus Münster anreisen, um hier dabei zu sein.
Es gibt abschließend natürlich eine Signatur im neuen Buch...
... und ein zufälliges Treffen zwischen zwei "Pfaffstättnerinnen".
Weiter geht es zur nächsten "Lese-Station". Der Himmel über Langenlois brennt. Ob das wohl der Grund für den Sirenenalarm im Sicherheitszentrum war? :-)
Das Loisium begrüßt mit der steinernen Kellergasse.
Diese Extraportion "Abendstimmung" war im Eintrittspreis inkludiert :-)
Wein und Kultur gehören in Langenlois zusammen. Daher wird jetzt die Basilika "bespielt".
Robert Seethaler (sitzend) ist der bekannte österreichische Autor, der die nächste Stunde literarisch gestalten wird.
Groß ist Wolfgang Kühns Freude, nun folgenden Autor vorstellen zu dürfen: Auch Robert Seethaler kommt aus Niederösterreich, lebt aber hauptsächlich in Wien bzw. Berlin, von wo er auch heute angereist ist.
Gänzlich unterschiedliche und doch sehr österreichische Thematiken behandeln seine jüngsten Romane des diesjährigen Anton Wildgans Preisträgers, der 2016 für den Man Booker International Prize, einen der größten Literaturpreise der Welt, nominiert war. Sein 2012 erschienenes Werk „Der Trafikant“ führt in eines der dunkelsten Kapitel der österreichischen Geschichte, wenn sich im Österreich des Jahres 1937 die politisch-gesellschaftlichen Verhältnisse dramatisch zuspitzen.
Sein jüngster Roman, „Ein ganzes Leben“ (2014) erzählt anhand des Lebens zweier einfacher Leute die Geschichte des Alpenlands Österreich. Aus diesem Roman wird er heute lesen.
Zu seinen Büchern zählen weiters die Romane „Die Biene und der Kurt“, „Die weiteren Aussichten“ und „Jetzt wird’s ernst“.
Und es wird erst, denn die Episode rund um Andreas Egger beginnt in eiskalter Umgebung. Er trägt den verletzten "Hörner-Hannes" auf seiner Buckel-Kraxn zu Tal und hofft, dass er ihm nicht wegstirbt.
Vom Gustl Grollerer ist auch die Rede, der einen Arm bei Bauarbeiten verliert und den seine Kollegen im Wald begraben sollen. Irgendwie passen die Zeichen im Wetterturm der Basilika zur Geschichte.
Man erfährt auch vom Autor mit der angenehmen sonoren Schauspielerstimme vom Tag, an dem Egger zum ersten Mal vor Marie steht, der Liebe seines Lebens, die er jedoch wieder verlieren wird.
Der Roman berichtet vom nicht einfachen Leben, Lieben und Sterben, er verdeutlicht, wie schnell die Zeit in einem Leben vergeht und er beweist, dass man Einsamkeit am Berg in einer alten Hütte nicht als Makel betrachten muss, sondern die Ruhe genießen kann.
Die Lese-Zeit im Loisium ist vorbei...
Die Besucher verlassen die Weinerlebniswelt durch den "Festsaal", der Momente eines Lebens widerspiegelt und auch gut zum Seethaler-Roman passt. Von der Geburt bis hin zum Tod passiert man die einzelnen Stationen.
Am Büchertisch gibt es noch Smalltalk mit dem Autor und ein Autogramm in das gedruckte Werk.
3. Station der Septemberlese: Ursin-Haus Langenlois. Dem Genießen in Form von Essen und Trinken, also einer sehr österreichischen „Tugend“, verschreibt sich der letzte Programmpunkt des Samstagabends. Bei Kurt Fuchsberger kann man sich noch vor der Abschlussveranstaltung kulinarisch stärken.
Immerhin ist man bereits drei Stunden unterwegs.
Dabei trifft man wieder Wolfgang Kühn und den Nino aus Wien.
Bald lernen wir nicht nur seine Gitarren-Saiten kennen, sondern auch jene Seiten...
... die er mit seiner Partnerin Natalie Ofenböck in einem Buch zusammengefasst hat.
Wolfgang Kühn stellt die beiden vor: "Natalie Ofenböck & Der Nino aus Wien führen uns auf eine literarisch-musikalische 'Wiener Reise durch die Steiermark' und wollen mit uns gemeinsam bei gedanklichen Grießnockerln, Distelsuppen oder Sternen und Presnitzresten (traditionelle Triestiner Kuchenspezialität aus einer Rolle von Blätterteig mit einer Füllung aus gehackten Walnüssen und Mandeln) die österreichische Seele gehörig baumeln lassen."
„Das grüne Album“ nennt sich das Programm der beiden, so auch der Titel von Buch und CD.
Das verrät das Vorwort: "Wenn zwei scheue Städter auf die Offenheit des Landes treffen, kommt es zu denkwürdigen Situationen. Es geht nicht allein darum, das Land besser kennenzulernen, sondern auch sich selbst.“
Als „Der beste junge Liedermacher des Landes“ wurde Nino Mandl alias "Der Nino aus Wien" vor einigen Jahren auf dem Cover der Wochenzeitung „Der Falter“ bezeichnet. „Man könnte ihn auch als unberechenbarsten, aufgewecktesten, eigensinnigsten oder originellsten Songwriter der jungen österreichischen Musikszene bezeichnen“, so der Musikjournalist Gerhard Stöger - und das, obwohl er die Augen oft geschlossen hat :-)
"Vier Finger-Mischung" heißt ein Lied der beiden und darin wird der "G'spritzte" besungen. Zum Lloiser meint er: "Euer Wein ist gut, man müsste ihn nicht mischen." :-)
"Heit ziagn ma uns wos Schenes au und foahrn in de Stodt", so das nächste Lied, das ohne Applaus blieb, aber da klatschen die Leute nie - meint Nino schelmisch.
Wolfgang Kühn war es, der einst den jungen Nino bei einer Veranstaltung zum Spielen einlud.
Jetzt wird noch über eine Zugabe beraten.
Von seltsamen Käfern war abschließend die Rede, nachdem zuvor über ein unheimliches Moor und Geister bei Spielfeld, über den Prater und den Psychiater und über nervöse Schutzengel gesungen wurde.
Als kleines Dankeschön gab es noch ein Weinpräsent vom Ursin Haus-Geschäftsführer Wolfgang Schwarz.
Zwölf Stunden später am selben Ort. Hans-Peter Falkner trifft auf den ehemaligen Kulturstadtrat Andreas Nastl, bevor er die Bühne betritt.
Begrüßt wird auch Heinrich Steinfest, der Autor der heutigen Sonntagsmatinee.
Die Gäste im gut gefüllten Ursin Haus warten gespannt auf Gstanzln und Lesung.
Bei allen vier Stationen dabei gewesen: Kulturstadträtin Mag. Brigitte Reiter und Gemeinderat Gerald Eder mit Begleitung.
Die letzte Vorstellungsrunde der Künstler beginnt.
Bühne frei für Hans-Peter Falkner und Heinrich Steinfest.
Der Oberösterreicher, der eine Hälfte des legendären Duos Attwenger darstellt, beginnt mit dem "Sunnseitn Boarischn" an der steirischen Harmonika, bevor er dann tiefen Einblicke in das Wesen Österreichs in Gstanzlform entblößt und entkleidet.
Heinrich Steinfest ist ein mehrfach preisgekrönter Krimiautor. Bekannt geworden ist er mit seinem einarmigen Wiener Detektiv Cheng. Zuletzt erschienen seine Romane „Die Haischwimmerin“, „Das Himmlische Kind“ und „Der Allesforscher“, der für den Deutschen Buchpreis 2014 nominiert war.
„Gebrauchsanweisung für Österreich“ nennt sich ein zeitloses Werk von Heinrich Steinfest (erweiterte 5. Ausgabe Mai 2017), in dem der in Stuttgart lebende Autor „das Land, das sich als Riese schlafen legte und als Zwerg aufwachte“ aus sicherer Entfernung literarisch vermisst und auf ungeahnte Erkenntnisse stößt.
„Man sollte dieses Buch gelesen haben, wenn man etwas über das Wesen des Österreichers erfahren möchte. Heinrich Steinfest hat sich hier auf eine Reise ins Herz, in die Seele – und auch in den Bauch – Österreichs begeben und mittels Selbst- und Feldversuchen ein Sittenbild des Landes und seiner Bewohner erstellt.“ aus Cercle Diplomatique (A)

"Wos singt do da Papa jetzt?" Im 18. und 19. Jahrhundert wäre der öffentliche Vortrag von Gstanzln wegen des widerständigen, goscherten wie gscherten Charakters und der oftmaligen Lächerlichmachung der Obrigkeit aus naheliegenden Gründen immer wieder verboten.
"Und da Schick auf da Leithn hot Spanprügln klobn - dabei hot er se an Schifan in Oarsch einizogn"
Typisch österreichisch halt :-)
"Alles nachzuhören und nachzulesen auf den Büchertischen im Foyer", so die herzliche Einladung am Ende der Matinee.
Applaus für eine humorvolle Stunde.
Das passt sicher noch in die Privatbibliothek?
Abschließend konnte man dann auch ....
... einen kleinen Dialektsprachkurs belegen, so wie hier die Besucherin aus Deutschland.
Wer jetzt Gusto bekommen hat, nimmt Lektüre mit: Alle Bücher der Septemberlese 2017 und noch einige mehr gibt es zu kaufen.


Fotos: Ulli Paur


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