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Hotel Gutmann

Ein performatives Stück

Der Langenloiser Künstler Bello Benischauer setzt mit einem neu gemischten Ensemble sein "Existence Theatre" fort und verknüpft darin wieder Performance, Sprache und Livesound.
Der perfekte Frühsommerabend am 16. Juni 2017 versetzte einem vorweg schon in Urlaubsstimmung.
Und so wurden bei dieser Uraufführung im Langenloiser Almstädter-Hof Bühne neben den sieben Schauspielern in fünf Szenen auch die Gäste im Publikum in einen fiktiven Hoteltag quasi als Statisten eingebaut.
Beziehungen zwischen den dargestellten Figuren haben sich aufgebaut, Ablehnungen wurden spürbar. Anschauungen trafen aufeinander, es ging um Zuneigung und Streit. In Fragmenten wurden Einblicke in das Leben der einzelnen Charaktere geboten.
Existence Theatre Produktionen finden international statt und sind dafür bekannt, die Grenzen zwischen Akteur und Publikum zu überschreiten, dabei aber nicht zu schockieren, sondern zu berühren. Das ist hier gelungen.




Im Dezember des Vorjahres machte Bello Benischauer mit seinem Theaterstück "Fassade" auf sich und seine Gruppe aufmerksam. Jetzt folgt mit "Hotel Gutmann" das zweite performative Stück.
Und das sollte man sich unbedingt ansehen, meinen Gemeinderat Matthias Fürpaß (Obmann von La Kult) und Bello Benischauer.
Wie besagt ein Spruch? "Erdenglück ist eine Leiter: Steig gedankenlos nicht weiter, denk nur stets an den Verdruss, dass man wieder abwärts muss." Trifft auch ein bisschen auf das Stück zu.
Bello Benischauer legt das Augenmerk nicht nur auf seine Schauspieler, sondern zeiht die Besucher auch mit visuellen Projektionen in Bann und gestaltet auf besondere Art und Weise den Raum bzw. das fiktive Hotel.
Der "Gastgarten" steht für die Gäste bereit.
Die zuschauenden Gäste werden vom "Hoteldirektor" Benischauer herzlich willkommen geheißen.
"Was wird uns da wohl heute erwarten?"
Man könnte ja den Pagen Josef fragen.
"Zum Wohl auf einen schönen Theaterabend", meint Jörn Ehlers.
Anwältin Miriam Siebenstern (gespielt von Barbara Steiner) trifft als erster Gast im Hotel Gutmann ein. Irgendwie macht sich bei ihr jetzt schon Frust bemerkbar und sie stellt sich während des Stückes die Frage: "Wie und warum geht der Mensch wie weit und hasst andere Menschen, aus Angst, seines Wohlstandes wegen, weil er nichts weiß darüber und nachsagt, was die anderen sagen?"
Die instrumentale Liveimprovisation kommt von Markus Zahrl am Saxophon bzw. Hang.
Siamak Nasri, vor zwei Jahren nach Langenlois geflüchtet, spielt im Stück den Almir Kület, einen Witwer, der sich ebenfalls im Hotel ein Zimmer gebucht hat.
Es gibt an diesem Abend viele Szenen festzuhalten.
"Kein Gefühl, keine Lust, kein Leben, die Haut brennt, extremes Kopfweh und absolut frustriert. Also Menschen, die mit sich selbst sprechen, so wie ich eben gerade, vertrage ich nicht." Sibylle Bourbon als "Rudolfine Stolz" lebt getrennt und möchte sich hier erholen.
"Das Leben ist zu kurz, um nicht zu machen, was man will. Jeder Mensch sollte die Freiheit haben, so zu leben, ich habe eben Glück, keine Geldprobleme. Seit meine Frau gestorben ist, kann ich gar nichts mehr Sinnvolles tun, ich will eigentlich nur mein Leben genießen und von einem Tag auf den anderen leben. Hier im Hotel lässt es sich aushalten..."
Zwar keine Räuberleiter, aber so was ähnliches: Franz Josef Weiss spielt den ausländerfeindlichen Julius Mengel: "Ich hoffe immer, dass mir meine Mitmenschen nicht zu böse sind, aber ich kann mich oft nicht beherrschen und lasse meinen Gedanken freien Lauf. Es führt aber immer nur zu Ausschreitungen wie der extremste Nazi im Land bin ich dann..." Auf seinen Schulterns steht Lydia Ronge - im Stück spielt sie die Kellnerin Johanna Reichenhalm.
"Ich denke, jeder Mensch trägt seine eigene Schuld und wir können nichts dagegen tun. Schicksal ist eben Schicksal, kein Mensch kommt dagegen an..."
Elisabeth Eitelberger kommt als Angelika Ritter hierher, seit langem ein Stammgast im Hotel. "Die Welt ändert sich ständig, Menschen stehen auf für ihr Recht, kämpfen für Freiheit, flüchten ins Exil, aus Angst, aus Verwirrung, aus Orientierungslosigkeit."
Dass Alkohol nie die Lösung von Problemen sein kann, weiß dieser Gast wohl nicht :-(
Das Stück regt im jedem Wort zum Nachdenken an!
Auch der Page Josef stellt sich Fragen: "Wenn ich wenigstens irgendeinen Menschen hätte, an dem ich mich anlehnen könnte. All meine Hoffnungen sind dahin, alle meine Träume gehen nie in Erfüllung, ich bin eigentlich zu nichts zu gebrauchen..."
Hier wird nicht klassisches Theater gespielt, sondern Figuren für performative Szenarien erfunden, deren Charakterzüge wir durch unser eigenes Sein herausarbeiten. Dabei geht es um körperliche Präsenz und wie sich Emotionen dem anderen gegenüber auf unterschiedlichen Wahrnehmungsebenen vermitteln lassen.
Charaktere werden für das Konzept passend gesucht und gefunden. Jene setzen sich dann mit der ihnen ähnlichen Figur auseinander und arbeiten Charakterzüge heraus.
Applaus für den beeindruckenden ersten Teil.
Schlafenszeit im Hotel Gutmann und Pause...
Eine Pause haben sich Schauspieler und Zuseher verdient.
Für den kulinarischen Rahmen sorgt Benjamin Schwaighofer von der Gartenküche Arche Noah.
Die Rose spielt heute nicht nur im Theaterstück eine kleine Rolle, sondern auch kulinarisch.
In diesem Stück geht es ganz besonders um die Verschiedenheiten der Menschen, die eigentlich aussehen, als würden sie alle ganz normal sein und gleiche Einstellungen vertreten. Aber bei näherer Betrachtung ist es doch anders, das merkt auch dieser Zuschauer: Es gibt Konflikte, Streit und eben alles, was in einem gewöhnlichen Leben so passiert. Die Handlung bleibt offen.
Es fällt positiv auf: Hangspieler haben in einen Hang zu Langenlois :-)
Spannendes tut sich auch auf der Hausmauer!
Und je tiefer man nachforscht, warum manche Menschen irgendwelche Einstellungen haben und man sie nicht verstehen und auch nicht akzeptieren kann, desto mehr ist man dann mit seiner eigenen Banalität konfrontiert.
Sinn ergibt es nur, wenn man in die Schuhe eines anderen schlüpft und darüber nachdenkt, wie es wohl sein würde, wenn man in der anderen Haut steckt.
Menschen schütten ihr Herz bei mir aus... ich kann ihnen sozusagen helfen... und das spürt sich wirklich gut an. Es macht mich wieder glücklich.
"Jeder Verlust ist für uns Menschen sehr schwierig. Aber wir lernen, damit zu leben. Wieso ich mir nicht wirklich vorstellen kann, dass es einmal besser wird, weiß ich nicht. Aber trotzdem gebe ich die Hoffnung nicht auf. Vielleicht werde ich hier im Hotel Gutmann einmal mit jemand darüber reden und ihm mein Herz ausschütten."
Es ist sicherlich besser, das Herz auszuschütten, als den Wein!
Julius Mengel dürfte einsichtig geworden sein. "Ich sehe das auch so! Ausländer oder nicht, soll für mich nicht mehr wichtig sein. Von nun an will ich mich zusammenreißen. Ich bin kein Rassist."
Johanna, die Kellnerin: "Es gibt auch viele Menschen, die sich wirklich um etwas kümmern, denen der Zustand der Welt nicht egal ist, und die sich auch für etwas einsetzen, zumindest habe ich das so mitbekommen in meiner kleinen Welt."
Johanna hat man ja schon auf den Schultern von Julius Mengel gesehen: "Meine eigene Einsamkeit überspiele ich mit den nächtlichen Besuchen, bei denen ich immer wieder neue Freude erfahre und bei denen ich immer wieder Menschen von einer ganz anderen Seite kennenlerne."
Alles hat ein Ende! Abreise: "Wer reisen will, muss zunächst Liebe zu Land und Leute mitbringen, zumindest keine Voreingenommenheit. Er muss guten Willen haben, das Gute zu finden, anstatt es durch Vergleiche tot zu machen", nicht aus dem Stück, sondern von Theodor Fontane.
Jetzt darf man schon auf einen gelungenen Theaterabend anstoßen.
Applaus für das wirklich gute Schauspiel.
Wer jetzt Lust und Laune bekommen hat, im "Hotel Gutmann" einzuchecken, hat noch am Freitag, dem 16. Juni um 20 Uhr im Ursin-Haus und am Freitag, dem 7. Juli um 20 Uhr wieder im Hof von Wolfgang Almstädter die Gelegenheit dazu. Karten gibt es im Kulturbüro Langenlois!

Anmerkung zum Schluss: Aufgrund einer Systemumstellung der Langenlois-Homepage kommt es zu Verzögerungen der Berichterstattung. Außerdem wird das Layout noch angepasst (derzeit stehen die Bildtexte leider über den Bildern - etwas verwirrend, aber es wird daran gearbeitet - bitte noch ein wenig um Geduld und um Verständnis!

Fotos: Ulli Paur

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