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Alte Tradition lebt in Zöbing neu auf

Wie kommt die Feder in die Tuchent?

Es gibt "spinnerte Weiber".
Falsch gedacht haben jetzt jene, die bei diesem Begriff an Damen denken, die sich zickig verhalten.
Es handelt sich hier um jene, die mit Daumen und Zeigefinger aus dem Vlies der Schafwolle zupfen und dieses Material dann zu feiner Wolle verspinnen.
In Zöbing benötigen die Damen ebenfalls diese beiden Fingern, um ähnlich Feines herzustellen.
Während draußen Frau Holle ihre weiße "Federnpracht" zeitweise über Zöbing am 21. Jänner 2012 schüttete, machten es sich in der warmen Stube interessierte Frauen und Mädchen an zwei Tagen im Pfarrsaal gemütlich und übten sich in einer längst vergessenen Arbeit.
Federnschleißen stand für sechs Stunden am Programm, das bei der älteren Generation so manche Erinnerung an früher aufkommen ließ.

Brigitte Cerny ließ dieses alte Handwerk wieder aufleben und lud Interessierte dazu ein.
Gänsefedern sind heutzutage auch nicht mehr leicht zu bekommen - sie fand eine Quelle im Waldviertel.
Spaß machte es von der ersten Minute an.
Was man dazu braucht? Auf alle Fälle viel Fingerspitzengefühl...
... und viel Zeit! Es heißt nicht umsonst sprichwörtlich: Viele Federn machen ein Bett!
Die weißen, feinen Federn vom Federkiel zupfen, ist eine mühselige Arbeit.
Husten, laut Lachen und Luftzug war hier nicht erlaubt.
Am besten, man zieht die Federn mit einem Zug von oben nach unten - diese beiden älteren Damen wissen das noch ganz genau.
Das bleibt bei ganz genauer Arbeit über: Nur mehr die nackten Kiele, aus denen man in früherer Zeit den "Keilpolster" gestopft hat. Das war jener Polster, auf den man den Federpolster gelegt hat, um höher zu schlafen.
Das konzentrierte Arbeiten beinhaltete natürlich auch eine gesellige Kaffeepause.
Bereits am nächsten Tag (Sonntag, 22. Jänner) wollten sich die nächsten in dieser Handwerkskunst üben.
Auch hier gab es einige, die sich in den Kriegsjahren ihre Betten-Aussteuer vor dem Heiraten selbst "gezupft" haben.
Für eine Tuchent brauchte man ungefähr sieben Kilo Federn. Diese Daunen haben fast kein Gewicht.
Weil da nicht wirklich was "weitergeht", beobachten diese beiden Herren die Arbeit aus dem Abseits :-)
Erfreulich: Auch für die Jugend hatte diese aufwändige Arbeit durchaus ihren Reiz.
Nach Stunden war es dann soweit: Jeder bekam sein selbstgeschlissenes, kleines Feder-Polsterl als Andenken an diesen Nachmittag.
Das war nur ein Bruchteil dessen, was in so einen kleinen Polster reinpasst, wenn er gut "gestopft" wird. Man kann sich daher ausrechnen, wie viel Arbeit es sein muss, einen richtigen Polster damit zu füllen.

Fotos: Ulli Paur


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